Bundestagswahl 2017 – ein Sammelartikel

Am Sonntag wird gewählt, um 18 Uhr gibt es die ersten Hochrechnungen für alle und am Montag geht wie üblich die Sonne auf. Wer bis dahin noch eine gemischte Lektüre sucht zu dieser Thematik sucht, wird hier fündig. Nur das Fernsehduell ist explizit nicht dabei.

Zum Einstieg etwas ganz allgemeines, was alle Parteien betrifft: ihre Wahlprogramme. Helmut Berschin, emeritierter Professor für Romanische Sprachwissenschaft, schreibt für Tichys Einblick am 22. Juli über die Verwendung des Wortes "Deutsche" in den Wahlprogrammen der aktuellen Bundestagsparteien.

In der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes mische sich auch die Kölner Initiative "Kein Kölsch für Nazis" ein, berichtete die Junge Welt am 9. September – so wurden "noch einmal 100.000 Bierdeckel mit der Aufschrift »Kein Kölsch für Nazis«" nachgedruckt.

Ansonsten gilt: Vorsicht bei Aufrufen zu höherer Wahlbeteiligung, wie er beispielsweise in dieser Beispielsrechnung zum Ausdruck kommt (und wie explizit diese Grafik permanent in den Social Media rotiert). Es ist schwer vorstellbar, insbesondere vor dem Hintergrund der bereits dokumentierten Wählerwanderungen, dass sämtliche "zusätzlichen" Stimmen nur "anständig" wählen. Passend dazu äußerte sich Peter Altmaier (CDU) gegenüber dem Tagesspiegel (19. September), als er bekannte, dass ihm Nichtwähler lieber seien als AfD- oder Die-Linke-Wähler.

Einen anderen Weg gehen diese Frauen, die verhindern wollen, dass die AfD in den Bundestag kommt (Bento, 10. September) – und die von der Grundhaltung doch ziemlich nah an dieser Partei liegen. "Aber sie alle einte ein Gefühl: So geht es nicht weiter", schreibt Bento, was ungefähr der Haltung vieler entspricht, die sich aktiv bei der AfD einbringen oder sie zumindest wählen wollen. Sehr schön auch das folgende Zitat:

"Das können wir uns nicht gefallen lassen. Wir wollen uns nicht in die 30er Jahre zurück katapultieren lassen."

Für einen kurzen Abstecher von der Bundestagswahl geht es nach Dresden, weil es inhaltlich zum vorgenannten Zitat passt. Dort hat Mitte August das Künstler-Duo Angela Hampel und Steffen Fische den auch "Marienbrunnen" genannten Marie-Heinze-Gey-Brunnen am Friedrich-List-Platz verschleiert, berichtet die Sächsische Zeitung 18. August. Sie wollten mit der Aktion zu einem Überdenken der verschiedenen Positionen der "Willkommenskultur" anregen und argumentieren damit, jetzt kommt der Bezug, "dass es um 1900 herum in vielen Museen Besuchertage für Frauen gegeben habe, an denen Statuen verhüllt worden seien". Nur garstige Menschen würden an dieser Stelle auf die gesamtgesellschaftliche Lage, die Rechte von Frauen, das Wahlrecht und/oder den Stand von Demokratie, Sozialstaat oder sexueller Freiheit verweisen.

Zurück zur Bundestagswahl: Mit einem kritischen Facebook-Post vom 10. September (hier der Link bzw. der Screenshot verweist Boris Palmer (Bündnis 90 / Die Grünen, Bürgermeister von Tübingen) auf die Der Spiegel-Kolumne " Rechtsruck in Deutschland – Die geistig-moralische Wende zum Schlechten" vom 10. September.

"Wie sich der Bundestag auf die AfD vorbereitet" betitelte die Welt einen Artikel vom 9. September, der sich mit diversen Gedankenspielen – darunter, wie einer unbeliebten und unerwünschten, aber möglicherweise größten Oppositionspartei der traditionelle Vorsitz des Haushaltsausschusses verweigert werden können – beschäftigte und fast 1.500 Kommentare sammelte.

Der bekannte Anwalt Joachim Steinhöfel hat für ein kurzes (und sehenswertes) Interview zum #NetzDG via Facebook live den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner vor die Kamera bekommen (hier Text und Video vom 8. September auf AchGut), ihm fünf Fragen gestellt und ihn dabei einmal sichtbar aus der Reserve gelockt. Im Nachgang hat Christian Lindner ein Selfie mit Steinhöfel von seiner Seite gelöscht und der HuffPo ist die Sache am 10. September einen langen Bericht wert. Die Fragen und das Zeitfenster zur Beantwortung selbiger hat Steinhöfel auf seinem Blog ebenfalls am 10. September dokumentiert.

Screenshot von Welt.de

Es hat für manche Leser ein "Geschmäckle" (französisch: hautgout), wenn Dagmar Rosenfeld (so ihr Name als stellvertretende Chefredakteurin von WeltN24) bzw. Dagmar Rosenfeld-Lindner (so ihr bürgerlicher Name seit ihrer Heirat 2011, siehe dazu z.B. Wikipedia am 29. August einen Artikel mit der Headline "Meine Stylingtipps für Christian Lindner und Co." veröffentlicht. Darin enthalten sind Pointen zu

  • Sarah Wagenknecht (Die Linke, sollte den Duft "Lancôme Trésor" tragen),
  • Cem Özdemir (Bündnis 90 / Die Grünen, "Elvüs aus dem Schwabenland"),
  • Christian Lindner (FDP, sollte bei "der Wahl der Oberbekleidung für Werbespots künftig vorher die Ehefrau fragen") und
  • Alexander Gauland (AfD, Stiltipps sind "vor Veröffentlichung entsorgt worden").

Mit der Leitfrage "Wen soll ich als deutscher Muslim bei den Bundestagswahlen wählen?" analysiert Yavuz Özoguz am 2. September auf Muslimmarkt.de die zur Wahl stehenden Parteien. Peter Grimm setzt sich daraufhin am 6. September in seinem Blog Sichtplatz.de mit diesem Text auseinander.

Das einst von sich selbst als "Sturmgeschütz der Demokratie" bezeichnete Wochenblatt Der Spiegel arbeitet sich 8. September an der FDP ab: "Programm der FDP: Warum uns mit Merkels Praktikant die Krise droht".

Der bekannte Blogger Fefe verweist am 11. September in seinem Blog auf einen Gastbeitrag von Heiko Maas (SPD) in der Frankfurter Rundschau, in welchem (bzw. in welcher) er (also Maas) auf die Verfassungsfeindlichkeit der AfD hinweist.

Nach einem "verstörenden Facebook-Post", so die Hamburger Morgenpost am 6. September, erhielt die Bundessprecherin von solid – Linksjugend a) Morddrohungen und wurde b) aus dem Bundestagswahlkampf zurückgepfiffen.

"Pöbeleien von AfD-Anhängern" seien "Unkultur in Reinkultur", so die FAZ am 13. September. Gut einen Monat zuvor am 10. August gab es von Alexander Kissler auf Cicero den Text "Aufstehen gegen Rechts - Trillerpfeifen sind kein Argument".

In zeitlicher Nähe zur Kisslers Konter, gleichwohl unabhängig davon, erschienen binnen zwei Tage drei Texte zu Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich 2x pro und 1x contra positionierten: "Gerechtigkeit – Ich bin "Generation Merkel" - und das ist auch gut so!" von Bento und "Angela Merkel – Eine für uns?" von der Zeit (beide am 11. August) sowie "Kanzlerin Merkel will meine Stimme, aber mich für dumm verkaufen" von Vera Lengsfeld in ihrem Blog am 12. August.

PS: Die Handelsblatt-Volontärin Nina Schenk wünschte sich am 28. Februar "ausgebildete Minister".